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Autor: Karsten Räth
Datum: 24. September 2000

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Norwegen 1996, Dänemark 1997 alles per Auto zu erreichen, da mußte ich wohl wieder ran, nein rein ins Flugzeug. Ich der die Flugzeuge lieber von weitem sieht, auf dem Weg ins Büro oder gemütlich beim Bier in Schwiegervaters Garten. Wir hatten Zakynthos auserkoren, eine der Ionischen Inseln, deren bekannteste wohl Korfu ist.

Die Reisevorbereitungen gleichen sich eigentlich immer wieder ein wenig, Reiseführer kaufen, Videos ansehen und Kataloge wälzen. Griechenland ist bekannt durch seine sehr reichhaltige Küche, da buchten wir natürlich das Hotel nur mit Frühstück. Gewarnt durch den "erholsamen" Cluburlaub auf Fuerteventura suchten wir uns eine ruhige Ecke im Südosten ( Vasilikos ) der Insel abseits der Touristenhochburgen ( Laganas ) aus und vor allen Dingen einen anderen Reiseveranstalter. Als Reisezeit wählten wir die ersten beiden Oktoberwochen mit dem Vorteil, daß das Wasser des Mittelmeeres noch schön warm, die Lufttemperaturen aber schon auszuhalten und besonders nicht mehr soviele Menschen im Urlaub sind.

Für mich als Angler galt das Hauptaugenmerk der Vorbereitung logischerweise dem mitzunehmenden Angelzeug. Wieder ein Gas - Wasser - Sch... - Rohr mit Ruten zu beladen und mich den spöttischen Blicken der anderen Reisenden auszusetzen, dazu hatte ich eigentlich keine Lust, also mußte eine Rute her, die in unseren riesigen Koffer paßte. Ich kaufte mir eine Teleskoprute von 3,60 m Länge mit einem Wurfgewicht von 30 - 60 g, da ich dort in diesem Teil des Mittelmeeres eh` keine Riesen erwartete, sollte diese Angel etwas für die diversen Brassensorten ( z.B. Geißbrasse ) sein. So klein waren dort die Fische. Da stand ich nun im Laden und hatte vergessen, welche Diagonale unser Koffer hatte, ich ging aber das Risiko ein, als Angler hat man ja ein gutes Augenmaß und siehe da sie paßte saugend rein, einen Zentimeter länger und ich hätte das Handteil absägen müssen. Die Ausrüstung wurde durch meine Lieblings - Shimano, ein paar Posen, Twister, Bleie, Haken und Wirbel ergänzt. Die Koffer wurden gepackt und waren verdächtig schwer, ein Probewiegen mit dem Riesenkoffer auf unserer Waage ergab ein Gewicht von ca. 30 kg. Als ich ihn anheben wollte, waren meine Arme um einen halben Meter länger und der Koffer blieb trotzdem stehen.

So, die Reisevorbereitungen waren abgeschlossen, aber so richtige Vorfreude kam nicht auf, ich mußte ja fliegen, außerdem war wieder eine Zwischenlandung vorgesehen, auf einem Militärflugplatz in Araxos auf dem Festland, da wurden die dortigen Urlauber eingesammelt und später wieder nach Deutschland geflogen. Und wie es immer so ist, der Flug bis Araxos war sehr ruhig, dafür die Landung um so heftiger, es lösten sich dabei einige Teile mit den Schwimmwesten über den Sitzen der Passagiere aus der Verankerung und klappten herunter. Der lakonische Kommentar des Bodenpersonals zur Stewardess: "Das haben wir aber auch schon einmal besser gesehen, auch von dem Herrn da vorne.." und meinte damit den Piloten. Der Flug über das Wasser war in 20 Minuten abgehakt, diesmal flog der Käptn` selbst und landete butterweich auf dem einzigen Rollfeld der kleinen Insel.

Schwer zu begehen, dafür aber genügend Angelplätze.

Das Wetter war hervorragend, warm aber relativ feucht. Wir wurden mit einem Taxi abgeholt, in dem schon zwei Personen saßen, ich fragte mich bloß, wie unsere Koffer da noch reinpassen sollten. Aber die Griechen sind da nicht so, Klappe auf, Koffer rein, Gummistraps hält Klappe und ab geht die Post. Da saßen wir nun zu fünft in diesem Auto, das Handgepäck auf dem Schoß, mein Kopf immer auf unsere Koffer gerichtet, die ich sogar vom Rücksitz aus sehen konnte und Vollgas die ca. 20 km zu unserem Hotel. Das Hotel "Aquarius" ist nicht sehr groß, hat ungefähr 20 Zimmer und wird durch die Inhaber selbst geführt, das heißt also, die Zimmer sind sehr sauber, man wird zuvorkommend und sehr höflich behandelt und es wird auch deutsch gesprochen.

Was kann man in Zakynthos alles so anstellen ?

Auf jeden Fall sollte man sich ein Auto mieten und damit die Insel erkunden, die Damen bei Sixt waren aber nicht sehr freundlich. Wir hatten schon in Deutschland einen Kleinwagen bestellt und bekamen eine Gurke von Auto ( Subaro Vivio - Ich habe so´n Ding in Deutschland noch nie gesehen. ), dagegen ist ein Fiat Panda noch eine Luxuskarosse. Das alte Schiffswrack. Ein absolut empfehlenswerter Ausflug ist ein Besuch eines Schiffswracks, welches in einer sehr malerischen Bucht liegt und nur mit dem Schiff zu erreichen ist. Der Weg hinab ist schon ein Erlebnis für sich, Serpentinen, Schotterpisten und Steigungen, die ich im ersten Gang nehmen mußte, da hatte ich manchmal fast einen Klops in der Hose und nur eines im Sinn, bloß nicht nach links oder rechts sehen. Die Fahrt zum Schiffswrackstrand ( "Schipswreck Beach" ) dauerte mit dem Boot ca. eine halbe Stunde, der Anblick der Bucht war absolut überwältigend, umgeben von steilen Klippen, kristallklares Wasser und blau, wie im Swimmingpool. Ein weiteres Highlight ist der Besuch der "Blauen Grotten" ( Blue Caves ) im Norden der Insel. Schiffstouren bringen die Urlauber hinein in die Grotten, da sieht man manchmal die Hand vor den Augen nicht, schon etwas gruselig. Die blauen Grotten. Am zweiten Tag haben wir uns erst einmal einem Segeltörn angeschlossen, abgeholt wurden wir vom Strand, der etwa 5 min zu Fuß entfernt von unserem Hotel lag. An Bord der 12 - Meter - Yacht waren außer uns noch 2 Skipper, und 2 britische Ehepaare. Es war ein sehr lustiger und schöner Tag, man konnte die Insel mal vom Wasser aus sehen, wir waren baden, erfuhren durch die auch deutsch sprechende Crew viel interessantes und wurden schließlich in einem kleinen Hafenort noch zum Mittag eingeladen.

Natürlich auch Angeln ...

Der Reisebericht ist noch nicht zu Ende, keine Angst, denn Angeln waren wir natürlich auch, das ist ja eh` das Wichtigste, was auf dieser Seite zu lesen ist. Einheimische Angler gibt es auf Zakynthos eine ganze Menge. Die weibliche Meeräsche wird "gassi" geführt. Dabei werden unterschiedliche Methoden angewandt, die Fische an den Haken zu bekommen. Am Hafen wird auf die listigen Meeräschen mit Stippruten geangelt, als Köder verwendet man dort meist frisches Brot, andere wiederum nehmen nur eine normale Angelschnur, bestückt mit mindestens 10 Haken, die in einen in Wasser eingeweichten Brotklumpen eingeknetet und per Hand ausgeworfen werden. Eine andere Methode Meeräschen zu fangen, habe ich am Strand beim Sonnen beobachtet. Da lief ein einsamer Mann am Strand entlang, hielt einen Stock in der Hand, an dem eine Schnur befestigt war und an deren anderem Ende eine weibliche Meeräsche festgebunden war und im Wasser schwamm. Der Angler führte seinen Fisch scheinbar "gassi". Doch weit gefehlt, er wartete bis sich zu diesem Meeräschenweibchen ein paar Männchen gesellt hatten und warf dann ein Netz über den Schwarm, ganz schön clever, nich ? Die dritte Variante den nicht gerade in großer Menge vorkommenden Fischen beizukommen, ist das Fischen mit der "Langleine". Ein selbstgebautes kleines Floß mit Segel bringt bei ablandigem Wind eine lange Leine mit vielen Seitenarmen auf das offene Meer hinaus. Erbeutet werden damit meist kleine Hornhechte und Meerbrassen. Ich habe auch geangelt, ganz klar. Meine Lieblingsstelle war eine aus Lavagestein bestehende Landzunge, in deren Nähe das Wasser schon relativ tief war. Mein Gerät bestand aus meiner Teleskoprute, Rolle mit 20er Schnur und einer Montage mit Waggler als Laufpose montiert. In geringer Wassertiefe fing ich kleine Hornhechte, die selten dicker als mein Daumen waren, am Grund bissen meist kleine Meerbrassen und Lippfische. Diese Landzunge hatte auch den Vorteil, daß man bei sich drehenden Winden einfach die Angelstelle wechseln konnte, ohne von den sich brechenden Wellen ständig durchnäßt zu werden. Dort lernte ich auch einen einheimischen Jugendlichen kennen, der mir zeigte, wie groß der Köder sein und wie er angeködert werden mußte. Meine Köder, kleine tiefgefrorene Krabben, besorgte ich mir in der Hauptstadt in einem Angelladen. Nur kleine Fische auch bei den Fischern. Alles in allem war die Ausbeute nicht sonderlich, Zakynthos ist wohl mehr etwas für die Kleinfischjäger, das war auch am Hafen deutlich erkennbar, die größten Fische, die dort durch die Fischer verkauft wurden hatten vielleicht eine Länge von 40 cm. Es hat trotzdem Spaß gemacht, denn so einfach sind nämlich die Meerbrassen nicht zu überlisten, da gehört schon etwas Feingefühl und Reaktionsfähigkeit dazu.

Was gab es sonst noch erzählenswertes ?

Wir waren jeden Tag in einer Taverne zum Abend essen. Die Bedienung war immer freundlich, es wurde uns des öfteren ein Drink ( Ouzo, logisch ) spendiert, bei den Russen sagt man wohl "sto gramm", soll heißen wir haben manchmal schon das Weite suchen müssen, um noch heil ins Hotel zu kommen. Ständige Begleiter, speziell in unserer Lieblingstaverne, waren Katzen, Gekkos und Falter, deren Körper fast Daumenstärke hatten.

Ein besonderers Erlebnis, an das ich mich noch immer ungern erinnere, ereilte uns nach der Hälfte unserer Reise. Wir wurden morgens im Bett mächtig durchgerüttelt, ein Seebeben der Stärke 4,9 - 5,1 machte meiner Erholung ein jähes Ende. Es ist ja nichts passiert, aber war das nun alles, oder etwa Vorboten eines größeren Erdbebens ? Als Urlauber wurde man natürlich beruhigt, das passiert hier schon öfter mal, die Häuser halten alle einem Erdbeben von mindestens der Stärke 8 auf der Richterskala stand. Würden Sie diese Aussagen beruhigen ? Ja ? Dann gehören Sie wahrscheinlich zu den glücklichen Menschen, die das Leben wohl unbeschwerter genießen können als ich, sie fliegen bestimmt auch gern, fahren gern mit einer Fähre, die vorher gebrannt hat und haben auch nie Streit mit Ihren Mitmenschen. Meine Unruhe wuchs nämlich wieder, als sich fast genau 24 Stunden später das gleiche Schauspiel wiederholte, ich kann sagen, der Urlaub war für mich zu diesem Zeitpunkt eigentlich beendet. Jetzt war mir auch klar, warum an einem Angeltag das Meer trotz Windstille mit riesigen Wellen gegen die Landzunge peitschte, auf der ich immer angelte, es war nämlich der Tag, an dem die Erde zum ersten mal bebte, wir hatten es bloß nicht gemerkt, da wir uns gerade auf der Tour zum Schiffswrack befanden. Eine Lehre zog ich aus diesem Vorfall, den Reiseführer vorher lesen und nicht hinterher. Darin erfuhren wir dann auch, daß Zakynthos und die Nachbarinseln Kefallonia und Ithaka 1953 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurden, bei dem fast die gesamte Insel zerstört wurde. Jetzt weiß ich auch, daß Erdbeben auf Zakynthos wohl ganz normal sind, hier einige Daten:

1994 -> Stärke 5,7
1996 -> Stärke 5,4
1997 -> Stärke 6,7
1998 -> Stärke 4,9 - 5,1
1999 -> Stärke 4,9

So, nun aber keine Angst, Zakynthos ist sicher, die Häuser sind alle aus einem Stück gebaut. Wir haben es während der 14 Tage unseres Besuchs beobachtet. 2 ! Leute haben das ganze Haus erst einmal aus Schalbrettern und Moniereisen aufgebaut, dann kamen die Betonmischer und haben den Beton reingepumpt, fertig. Diese Häuser können wohl nur noch im Stück transportiert werden. Aber, wer einmal das Gefühl haben möchte, ein Erdbeben hautnah zu erleben, für den ist Zakynthos erste Wahl. Wir haben aus "Spaß" mal an unserem Bett gerüttelt, um zu sehen, ob es wirklich so doll war. Es war, denn das Bett bewegte sich keinen Zentimeter.

Zakynthos hat auch noch mehr zu bieten, als Erdbeben, nämlich schöne Strände, hektischen Verkehr, tolle Landschaften und guten Ouzo.

© 2000 by Angelheini
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