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"Norwegen vom 22.08.2002 - 05.09.2002"

Norwegen 2002, eigentlich hätte es diesen Bericht gar nicht geben dürfen, da wir in diesem Jahr ja eine Radtour von Passau nach Wien geplant hatten. Da diese Gegend aber zu diesem Zeitpunkt von der verherendsten Flutkatastrophe seit Menschengedenken heimgesucht wurde, mussten wir uns auf die Schnelle eine Alternative einfallen lassen und was liegt näher, als einen dritten Versuch zu unternehmen, den Fjorden Norwegen die großen Fische zu entlocken und trotzdem noch ein paar erholsame Tage zu verbringen.
Vorbereitungszeit also eine Woche, diese nutzten wir ausgiebig, um eine Unterkunft zu finden und ich muß sagen, dass alle Reiseveranstalter nur auf uns warteten ;) Das einzig für uns akzeptable Angebot konnten wir bei Andreas Oehmig von Norwegentours ergattern, schnell und unkompliziert wickelten wir die Angelegenheit ab, das Geld konnten wir direkt beim Vermieter abliefern, um die Fähre von Hirtshals nach Kristiansand kümmerten wir uns selbst, das war glücklicherweise kein Problem.
Ach ja, wohin ging es eigentlich ? Nach Huglo, einer Nachbarinsel von Stord, südlich von Tysnes gelegen, klein und wirklich ruhig.

Tag 1 und 2 (22.08./23.08.2002) - Anreise
Die Anreise von Berlin nach Hirtshals verlief komplikationslos, ohne Stau landeten wir am Fährhafen gegen 22:15 Uhr, holten unsere telefonisch bestellten Tickets ab und reihten uns in die Schlange der Norgetouristen ein und warteten, bis die Fähre endlich um 01:15 Uhr ablegte. Wir bezogen unsere Couchette (2-Bett-Kabinen von 2x2 Metern) tranken noch ein Bierchen und versuchten wenigstens für ein paar Stündchen die Augen zuzumachen, das war angesichts von feiernden Norwegern und der Gedanken, das sich unser Auto über uns befand, gar nicht so einfach. Um 6:00 Uhr wurden wir von einer freundlichen Stimme geweckt, quälten uns ziemlich unausgeschlafen aus unseren Kojen und waren aber froh, endlich angekommen zu sein. Beim Zoll wählten wir die rote Spur, verzollten ein paar Liter Bier und bedauerten wie immer die Urlauber, die vor ihrem eigentlichen Urlaubsziel ihr gesamtes Auto auspacken "durften".

Der halbe Haushalt im Auto Unser Haus für die nächsten 2 Wochen

3 Blitzer weiter, einer Pause in Lyngdal und um ca. 380,- Kronen für die Tunnel und die 2 Fähren ärmer, waren wir nach ungefähr 8 Stunden Fahrzeit in Norwegen endlich an unserem Ferienhaus angekommen, vor dem unser Vermieter schon geduldig auf uns wartete. Das Wetter war hervorragend, 27°C Lufttemperatur und spiegelglattes Wasser erfreuten unser Herz.
Die Übergabe der Schlüssel und Einweisung in das Haus und das Boot war kurz und knapp, wir ließen noch schnell die wichtigsten Hotspots für die Angelei auf unserer Seekarten ankreuzen, bezahlten unseren Obolus und machten uns daran, unseren scheinbar gesamten Hausrat im sehr großzügig angelegten Haus zu verteilen.
Eine Testfahrt mit dem Boot und einem erfolglosen Versuch auf Makrelen als Köder für den nächsten Tag beendete unseren ersten Tag, ziemlich erschöpft gingen wir ins Bett, um für den nächsten ersten Angeltag gut gerüstet zu sein.

Tag 3 (24.08.2002)
- Wetter: 23°C, 1022 mbar, sonnig, schwacher Wind aus Nordwest
- Angelzeit: 09:30 - 15:30 Uhr
Den ersten Versuch, um ein paar Köderfische zu fangen, unternahmen wir in der Nähe der Fährlinie Nordhuglo - Hodnanes - Jektevik in etwa 30 Metern Tiefe. Claudia pilkte mit Makrelenpaternostern, ich versuchte es mit gekauften Rekern, welches uns dann auch in kurzer Zeit ein paar kleine Wittlinge und 3 Makrelen bescherte. Doch schon am ersten Tag wurden wir von den Tücken des "Langenuen" (Fjord zwischen Stord und Huglo) im wahrsten Sinne des Wortes überrascht. Bei der Planung unserer Reise bedachten wir nicht, dass durch diesen Fjord eine Hauptschiffahrtslinie in Richtung Bergen entlanggeht und die vorbeifahrenden Schiffe erhebliche Wellen verursachen, die erst dann über einen herfallen, wenn das Schiff schon lange nicht mehr zu sehen ist.

Claudia mit ihrem ersten Leng Makrelen gab es in Mengen

So auch die eines norwegischen Frachters, die bei spiegelglattem Wasser über den Fjord rollte. Anstatt das Weite zu suchen, fuhr ich unser Boot mit dem Bug in die Welle, um ein Kentern zu verhindern, nur Claudia konnte sich nicht mehr halten und flog durch das Boot. Zwei Prellungen am Kinn und am Oberschenkel sowie völlig durchnässte Kleidung beendeten erstmal unsrere Erkundungstour, mit Vollgas zurück zum Hafen und die Kleidung gewechselt. Aber Frauen sind ja hart im Nehmen, an Aufhören war nicht zu denken, wir versuchten nun mit Naturködern unser Glück und siehe da Claudia konnte ihren ersten Leng (63 cm) direkt vor unserer Haustür in einer Tiefe von etwa 55 Metern fangen. Ich mußte mich weiterhin mit Kleinfisch zufrieden geben.

Tag 4 (25.08.2002)
- Wetter: 21°C, 1022 mbar, sonnig, mäßiger Wind aus Nordwest
- Angelzeit: 11:00 - 15:30 Uhr
Uns war erstmal die Lust vergangen, weitere Erkundungsfahrten zu unternehmen, wenn sich eine bedrohliche Welle näherte, zischten wir mit Karacho in unseren schützenden Hafen, keine große Freude beim Angeln also. So richtig wollten die Fische nicht beißen, also Pilker und Makrelenvorfach ran, damit wenigstens etwas an der Angel zappelt. Das größte, was es heute zu bewundern gab, war ein Dorsch von 53 cm, der sich an mein Makrelenpaternoster verirrt hatte, dazu noch eine ganze Menge Makrelen.

Tag 5 (26.08.2002)
- Wetter: 23°C, 1021 mbar, sonnig, schwacher Wind aus Nordwest
- Angelzeit: 10:30 - 13:45 Uhr
Wieder vor unserer Haustür geangelt, irgendwie haben wir wohl die Freßgewohnheiten der Fische herausgefunden. Claudia ganz standhaft konnte mit einer "Flattermakrele" ihren ersten Leng noch toppen und steigerte unsere Urlaubsbestmarke auf 79 cm. Ich versuchte es mit Pilker und Beifänger und siehe da, ein 63er Dorsch, Pollacks, Makrelen, Schellfisch und ein Rotbarsch ließen nicht lange auf sich warten.

Claudia beim Drill ... ... und hier das Ergebnis

Tag 6 (27.08.2002)
- Wetter: 23°C, 1016 mbar, sonnig, schwacher Wind aus Nordwest
- Angelzeit: 9:30 - 14:00 Uhr
Wo haben wir wohl heute geangelt? Keine Frage, den schützenden Hafen immer im Visier und gepilkt haben wir wie die Weltmeister bzw. bis die Arme schmerzten. Claudia hat das Makrelenpaternoster drangelassen und wurde immer mal wieder von gierigen schönen Pollacks erschreckt, die gleich im Doppel- oder Dreifachpack eingestiegen sind und ihr fast die Angel aus der Hand gerissen haben, das war ein Spaß, als mal wieder die Bremse nicht richtig eingestellt war und die Rutenspitze schon im Wasser hing :)
Heute haben wir das erste Mal riesige Fischschwärme auf dem Echolot gesehen, die von 50 Metern Tiefe bis fast an den Boden in 100 Metern reichten, leider habe ich vergessen, in der Angelwut ein Foto davon zu machen. Die Fische standen scheinbar in Schichten, zuerst die Makrelen, darunter die Pollacks und kleinere Köhler, es war echt beeindruckend.

Tag 7 (28.08.2002)
- Wetter: 21°C, 1013 mbar, sonnig, schwacher bis mäßiger Wind aus Nordwest
- Angelzeit: 11:30 - 17:15 Uhr
So langsam wollten wir mal etwas anderes erkunden und so "wagten" wir uns auf die andere Seite der Insel in ein traumhaftes Angelrevier. Im Windschatten von Huglo und ohne Belästigung durch vorbeifahrende Schiffe konnten wir richtig schön über ein relativ großes Loch von 50 - 58 Metern Tiefe driften. Claudia wollte es wieder mit Flattermakrele versuchen, ich gab der Pilke der Vorzug und verlor 2 gute Fische und einen "Halbstarken" nach einigen Metern und war schon ganz verzweifelt, die Fische bissen immer an der Kante von 40 auf 50 Meter. Claudia beklagte sich über das ständige Gezuppele an ihrem Köder, hin und wieder fehlte auch ein Filet der Makrele. Irgendwann hatte sie es dann satt und übergab mir ihre Rute, damit ich das mal testen solle. Und was passieren mußte passierte dann auch, ich hatte einen ordentlichen Biss und schwuppdiwupp landete ein Dorsch von 82cm und knapp 10 Pfund an Board, mein persönlicher Rekord. Die Bemerkungen von Claudia könnt Ihr Euch ja bestimmt vorstellen: "Da gebe ich einmal die Rute aus der Hand und dann ..." Ich war glücklich, fing dann auch noch einen guten Schellfisch, einen Durchschnittsdorsch und als Beifang ein paar Makrelen.

Ein Dorsch hat auf eine Flattermakrele gebissen ... ... und mein größter bisher

Wir hielten dann auf der Rückfahrt noch einmal an "unserer" Stelle an, ich verlor wieder einen guten Fisch und Claudia konnte ihren einzigen Biss auf Flattermakrele leider nicht haken. Ich vermute, dass meine gehakten aber nicht gelandeten Fische Schellfische waren, die meinen riesigen Drilling mit ihrem relativ kleinen Maul wohl nicht richtig schlucken konnten.

Tag 8 (29.08.2002)
- Wetter: 17°C, 1005 mbar, starker Wind aus Süd, den ganzen Tag Regen

Dazu gibt es ja nicht viel zu schreiben, es hat geschüttet, gestürmt, an Angeln war nicht zu denken. Wir haben einen Ausflug nach Leirvik auf die Insel Stord gemacht und ein paar Sachen eingekauft, da aber hier alles nicht besonders groß ist, waren wir Mittags schon wieder zurück. Ich habe die Zeit genutzt und schon den ersten Teil des Berichtes geschrieben, lieber wäre es mir aber gewesen, wenn ich das zu Hause gemacht hätte. Als Krönung zum Abschluß des Tages schipperte dann noch eine Ölplattform an unserem Fenster vorbei, wäre dies am Tage beim Angeln passiert, wäre ich wahrscheinlich über Board gesprungen ;)

So verabschiedete uns der 7. Tag ... ... aber wie begrüßte uns bloß der nächste?



Tag 9 (30.08.2002)
- Wetter: 17°C, 1008 mbar, mäßiger Wind aus Süd, fast den ganzen Tag Regen
- Angelzeit: 11:15 - 12:00 Uhr
Viel hat sich ja gegenüber gestern nicht geändert, der Regen hat zwar aufgehört, aber so richtig einladend sah das Wetter auch nicht aus. So haben wir erstmal den fehlenden Schlaf der vergangenen Monate aufgeholt und danach dann einen Versuch vorm Haus gestartet und scheinbar stört die Fische das schlechte Wetter nicht, ich kann das Pilken nicht lassen, fange in der kurzen Zeit einen guten Schellfisch (53 cm), einen besseren Pollack (61 cm) und Makrelen, Claudia einen Schellfisch auf eine etwas abgespeckte Naturködermonatge, nach einer guten halben Stunde packen wir schweren Herzens ein, da der Wind zu stark wird. Was dann passiert, können nur die hochwassererprobten Süddeutschen nachvollziehen, es regnete, was der Himmel hergab bis zum Abend, auch in der Nacht hörte es nicht auf.

Tag 10 (31.08.2002)
- Wetter: 13°C, 1012 mbar, starker Wind aus West, wieder fast den ganzen Tag Regen
- Angelzeit: 18:00 - 19:30 Uhr
Aufgewacht und einen Blick aus dem Fenster geworfen ... buuhhhh, Sturm, Regen, ein Wetter, dass wir uns ganz schnell im Bett wieder umdrehen, wieder holen wir den verpassten Schlaf nach, frühstücken ganz in Ruhe und hoffen, dass dieses grausame Wetter so langsam zu Ende geht. Am späten Nachmittag unternehme ich einen Versuch mit meinen Brandungsruten (ach ja, darüber habe ich ja noch gar nicht berichtet ;( ) vom Garten unseres Hauses aus und fange wieder bloß einen großen und bunten Lippfisch auf meine mühsam bei Ebbe gesammelten Krabben und gebe es nach einer Stunde wieder auf, auch auf diesen Köder fange ich nicht die erhofften Plattfische.
Tastsächlich, am frühen Abend hört der Wind auf, ich springe nochmal ins Boot und kann meinen ersten Leng meiner doch schon ziemlich langen Anglerlaufbahn erwischen, es ist zwar kein Riese, doch überrascht bin ich schon, dass dieser meinen Pilker in etwa 65 Metern Tiefe schnappt. Ein paar Makrelen, ein Pollack und zwei kleine Köhler vergreifen sich noch an meiner Montage, dann fahre ich zum Hafen zurück, in dem schon Paul und John auf mich warten.
Paul und John, zwei norwegische Jungs, 12 und 14 Jahre alt, außerordentlich gut erzogen und Angler von ganzem Herzen sind immer ganz scharf darauf zu wissen, was ich so in meiner Fischkiste mit an Land bringe. Die beiden "zwingen" uns auch, unsere Englischkenntnisse aufzufrischen, da sonst eine Kommunikation unmöglich ist, denn wer spricht in Norwegen schon deutsch ;).

Tag 11 (01.09.2002)
- Wetter: 16°C, 1025 mbar, schwacher bis mäßiger Wind aus Nord, nur noch ein bissel Regen
- Angelzeit: 11:00 - 14:30 Uhr, 18:30 - 19:30 Uhr
Was war denn das??? Wir wachen auf, kein Regen und kein Wind, sollte uns denn heute der Wettergott etwa wohlgesonnen sein?. Das Frühstück geht heute schneller vonstatten, das Angelzeug und das Boot sind ja sowieso in wenigen Minuten startklar und da steht auch schon Paul vor unserer Tür und fragt uns, ob wir denn heute mal gemeinsam zum Angeln fahren wollen. Kein Problem für uns, denn das 17-Fuß Askeladden-Boot und sein 25 PS-Motor bieten genug Platz bzw. Geschwindigkeitsreserven auch für 4 Angler. Paul und John müssen sich noch um Ihre Bienen bzw. um die Reinigung des Krabben-Netzes kümmern, da fahre ich noch schnell ein Stück auf den Fjord hinaus, um ein paar Makrelen als Köder zu fangen. Makrelen gibt es nach wie vor reichlich, sogar ein Rotbarsch vergreift sich an mein Makrelenpaternoster. Danach geht es los, wir fahren an eine vermeintlich gute Stelle, John und Paul pilken mit unseren Ruten, Claudia und ich versuchen es mit Naturködern, aber ohne Erfolg. Es dauert nicht lange, da kommen wieder 2 Riesenpötte an uns vorbeigefahren, wir verdrücken uns schnell in den schützenden Hafen, in dem Claudia von Board geht. Wir warten die Wellen ab und fahren dann zu dritt in eine windgeschützte Bucht, die eine gute Kante von ca. 40 auf 75 Meter beherbergt und dort fangen wir dann auch die ersten Fische des Tages. John legt mit einem 60er Pollack vor, ich hake kurz danach einen Dorsch und einen Schellfisch im Doppelpack und habe mit den beiden ganz ordentlich zu tun. Als wir wegen zunehmendem Nordwind das Angeln abbrechen, schließlich habe ich ja für die beiden Kids auch eine gewisse Verantwortung, ist unsere Fischkiste wieder gut gefüllt, Hunger haben wir inzwischen auch bekommen. Am Abend versuchen Claudia und ich noch ein paar Fische mit der Pilke zu erwischen, aber leider wollen diese nicht unseren Ambitionen folgen und so fahren wir ohne Fisch zurück.
Bernd hatte uns ja freundlicherweise wieder den Wetterbericht für die nächsten 4 Tage per SMS durchgegeben und dieser sah ja so richtig gut aus, schönes Wetter und wenig Wind, also freuten wir uns so richtig auf den nächsten Tag.

John mit schönem Pollack Pollack

Tag 12 (02.09.2002)
- Wetter: 19°C, 1024 mbar, starker Wind aus Süd-West, leicht bewölkt
Auch heute konnte ich mir das Wasser nur vom Land aus bestaunen, es war einfach zuviel Wind. Da wir nicht um jeden Preis eine Ausfahrt riskieren wollen, bleiben wir an Land und erholen uns wieder ordentlich, ich reinige schon mal ein paar Ruten, die wir mit Sicherheit für die letzten Tage nicht mehr brauchen werden, u.a. auch meine Brandungsruten ;(

Tag 13 (03.09.2002)
- Wetter: 21°C, 1025 mbar, schwacher Wind aus Süd, sonnig
- Angelzeit: 10:00 - 17:00 Uhr
So langsam geht der Urlaub zu Ende, wir unternehmen wiederum ein Versuch auf der anderen Seite der Insel, das Wetter ist traumhaft, und die Fische beißen auch gut. Nur ich verliere wieder einige gute nach wenigen Metern Drill, es ist zum verrückt werden. Dann endlich der erste Dorsch, ich will ihn mal wieder per Hand ins Boot hieven und zack, ein Schwanzschlag an der Wasseroberfläche, weg ist er. Ich wäre am liebsten hinterher gesprungen, so sauer war ich auf mich. Aber was ist das??? Nach wenigen Sekunden macht es plopp und der Dorsch taucht mit der Breitseite neben unserem Boot auf, jetzt nehme ich aber das Gaff und hole ihn an Board. Die Schwimmblase schaute aus seinem Maul, das war also der Grund. Wir fangen noch ein paar Schellfische, alle so um die 50 cm und probieren noch an einigen anderen Stellen und fahren zum Haus zurück, da donnert uns schon wieder die Fjordline entgegen, Vollgas also in den Hafen, Wellen abgewartet, dann vor dem Haus noch ein paar Lengs geangelt und schon meldet sich mein Magen, denn das Mittag/Abendbrot gönnten wir uns immer erst nach dem Angeln.

Tag 14 (04.09.2002), letzter Angeltag
- Wetter: 18°C, 1010 mbar, schwacher Wind aus Nord, sonnig
- Angelzeit: 09:45 - 14:00 Uhr
Das hoch und runter mit dem Wetter (ständig wechselnde Winde und Luftdruck) spürten wir heute wieder ganz deutlich, gestern Wind aus Süd heute aus Nord und Luftdruck im Keller, den Fischen scheint das auch auf den Magen geschlagen zu sein. Wir pilken erst, aber nur mit mäßigem Erfolg, holen uns ein paar Makrelen und probieren bis in 130 Meter, aber es klappt einfach nicht. Dann lassen wir uns über ein großes Plateau von 65-75 Metern Wassertiefe treiben, die Strömung drückte uns gegen den Wind, da rumst es bei Claudia und mir gleichzeitig in unseren Ruten, boah denke ich, jetzt gibt es einen Doppeldrill, mal sehen, welcher größer ist. Ein wenig Hektik im Boot, da der Fisch auch noch Schnur von der Multi reißt. Und jetzt kurbeln wir wie die Weltmeister und je näher der Fisch nach oben kommt, desto näher kommen sich auch unsere Schnüre. Der erste Gedanke, die beiden Leinen haben sich verheddert, so ein Mist und tatsächlich, an die Oberfläche kommt nur ein Fisch und was hat er wohl, der verfressene Geselle ... ? ... beide Köder im Maul, das gibts doch nicht. Claudias Flattermakrele hat ihm wohl nicht gereicht, da ist er noch zu meinem Köder (einem Makrelenfilet) geschwommen und hat sich das auch noch einverleibt. Ich muß zugeben, soetwas hatte ich nun wirklich noch nicht erlebt. Zwei Angler drillen denselben Fisch und merken es erst, als sie ihn zu Gesicht bekommen. Wir haben so gelacht, wir mußten uns erstmal setzen und dann gabs die Fotosession, es war zwar kein Riese, hat aber mit seinen 8 Pfund und 72 cm trotzdem ordentlich Rabbatz an der Angel gemacht. Das war also ein Abschluß unserer Urlaubsangelei, der besser nicht hätte sein können. Bemerkenswert war, dass dies der einzige Dorsch war, den Claudia während des gesamten Urlaubs an der Angel hatte, währenddessen ich etliche fing, obwohl ich manchmal gar nicht wollte. Sogar einer von 42 cm würgte sich heute mein halbes Makrelenfilet runter, wahrscheinlich wäre er ja sowieso daran erstickt, wenn ich ihn nicht an der Angel rausgeholt hätte ;) Claudia steht ja auch auf dem Standpunkt: "Dorsche kann ich schließlich in Deutschland fangen, dazu brauche ich nicht nach Norwegen zu fahren". Das haben wohl auch die Dorsche gewußt und erst gar nicht bei ihr angebissen ;)

Doppeldorsch Unsere Naturködermontage

Ach ja, fast noch vergessen, heute habe ich auch noch meinen größten Schellfisch verloren, diesmal beim Landen der Naturködermontage, ich muß wohl mal in mich gehen, wieso das wieder passieren konnte, ein bissel Pech klebte mir scheinbar immer an den Fingern.
Jetzt aber schnell an Land und das Boot, das Haus und das Angelzeug gereinigt, die ganzen Klamotten wieder eingepackt und das letzte Bierchen getrunken.

Tag 15 (05./06.09.2002), Abreise und Heimfahrt
- Wetter: egal, starker Wind aus Südwest, Regen, Sonne alles dabei
Eigentlich wollte ich gar nichts dazu schreiben, es ist schon traurig genug, wieder nach Hause fahren zu müssen, aber irgend etwas erlebt man ja immer ;)
Wir nahmen die erste Fähre von Huglo, um auch ja pünktlich um 19:15 Uhr in Kristiansand zu sein und waren natürlich viel zu früh da, also Auto geparkt und noch einen ausgedehnten Stadtbummel unternommen. Da gabs eine Bewertung von Polizeihunden aus ganz Norwegen zu sehen, bei dem die Hunde ohne ihre Besitzer auf ihrem Platz liegen bleiben mußten. Bis auf einen ganz Neugierigen, der mal gucken wollte, was sein Nachbar da so dumm rumliegt, meisterten die anderen diese Aufgabe mit mehr oder weniger großem Erfolg. Den Grund der einzelnen Noten konnten wir dann auch irgendwie nicht nachvollziehen, aber schließlich haben wir ja auch nur eine Katze ;)

Die Polizei beim Aufmarsch Hundebewertung

Ein Besuch in einem Porzellanladen, in dem ein Teller mit wirklich schönen Fischmotiven je nach Größe zwischen 269,- und 429,- NOK kostete, beendete dann auch ganz schnell unsere Kaufwut, wir aßen noch eine labberige Pølse und fuhren danach so langsam zum Fährgelände.
Die Fähre kaum schon mit Verspätung an, fuhr also eine halbe Stunde später ab, verlängerte unsere Warterei also nochmals. Den Grund dafür verriet uns der Käptn dann unterwegs höchstpersönlich mit dem Wetterbericht, es gibt 2-3 Meter hohe Wellen, die eine schnellere Fahrt nicht zuließen. Auf offener See schaukelten wir dann gen Dänemark, in der Bar war wieder Ramaba Zamba angesagt, da konnte man dann auch im Takt der Livemusik mitschunkeln und sich die Zeit ein wenig vertreiben. Zuerst, muß ich allerdings sagen, war mir die Wackelei ganz schön unangenehm. Ein Blick in den Duty Free Shop lohnte sich nur für nachstehendes Foto, irgendwie scheint auch dort der T€ seine Spuren hinterlassen zu haben, die Preise ein Irrsinn, von Deutschen und Dänen werden die wohl kein Geld mehr bekommen.

zuuuu teuer

0:15 Uhr Ankunft in Hirtshals, schnell zum Hotel gedüst, das von außen und in der Lobby sehr gepflegt aussah, einen Haufen Geld (895,- Kronen) abgedrückt und den Schock im ungelüfteten Zimmer bekommen, im Bad gruselte es uns schon mächtig gewaltig, Claudia fragte mich, ob der Duschvorhang einem schon Guten Tag sagte, wenn man ihm zu nahe kam, die ermordeten Mücken von diversen Vorgängern klebten noch an der Wand und morgens wurden wir um 7:00 Uhr ganz nett von Bauarbeitern begrüßt, die ein Gerüst aufbauen wollten. Dafür, das das Hotel erst kürzlich modernisiert wurde, war in unserem Zimmer absolut nichts zu sehen. Das Frühstück ging halbwegs, immerhin konnten wir zwischen 3 Sorten Wurst und 2 Sorten Käse wählen. Ich habe schon in vielen Hotels gewohnt, noch nirgends habe ich für ein derart schlechtes Zimmer so viel Geld bezahlt, sogar vor 3 Jahren in der Innenstadt von Oslo war das Hotel billiger und besser. Wer also von Euch noch vor dem Ortseingangsschild von Hirtshals auf der rechten Seite in diesem Etablissement absteigen will, sollte durchtreten und lieber gar nicht schlafen. Mann war das schlimm :( Am Morgen fuhren wir dann "ganz entspannt" dem freitäglichen Verkehrschaos in Deutschland entgegen und kamen dann auch irgendwann an.

Was es sonst noch so zu berichten gibt

Brandungsangeln
Ja das Brandungsangeln, das hatte ich mir so schön vorgestellt. Ich sitze im Garten lege meine Ruten aus, fange ein paar gute Schollen und alles ist im Lot. Doch nicht nur das mißlang mir, auch das Blinkern und Pilken brachte nicht die erhofften Fische. Ich versuchte es mit allen möglichen Ködern (Garnelen, selbstgebuddelten Kneifern, Makrelenfetzen und nicht zuletzt kleinen Krabben, aber außer Lippfischen und kleinen Wittlingen war nichts zu holen, trotzdem mir der Untergrund äußerst geeignet dafür erschien. Ich angelte in 2 - 20 Metern Tiefe, aber nicht ein Plattfisch wollte meine schmackhaften Köder fressen, obwohl ich etliche dieser Flachmänner in Handtellergröße bei Ebbe in unserer Bucht im Wasser schwimmen sah. Auch beim Naturköderangeln waren keine Platten zu kriegen, in keiner der beangelten Wassertiefen. Damit, muß ich ehrlich gestehen, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Lippfisch Lippfisch

Das Haus und das Boot
Das ältere, aber dieses Jahr auf einen super modernen Stand gebrachte Haus hatte alles, was man so in seinem Urlaub braucht. Viel Platz, nicht nur für 2 Personen, es war alles super sauber und ordentlich, die Besitzer haben sich sogar beim Betreten die Schuhe ausgezogen. Da gab es absolut nichts zu beanstanden, es war das schönste Haus, das wir bisher in Norwegen hatten. Von fast allen Fenstern hatte man Fjordblick !!!
Das 17-Fuß Boot ist nicht mehr das Neueste, aber groß genug auch für 3-4 Angler, der 25 PS Außenborder sprang immer beim ersten Ziehen an und versagte nicht einmal seinen Dienst.
Alle Nachbarn und natürlich auch die Besitzer waren immer sehr nett und zuvorkommend, ich war sehr beeindruckt von der Gastfreundlichkeit.
Ein Manko hat aber die Umgebung, direkt neben dem Haus am kleinen Hafen steht eine Møbelfabrikk, die Werktags von 7:00-15:30 Uhr mit ihrem Abluftsystem ziemlichen Krach macht. Bei schönem Wetter für Angler kein Problem, aber für daheimgebliebene Angehörige echt nervend. Da gab es leider im Vorfeld noch einige Verständigungsprobleme unter den Reiseveranstaltern.

Das Boot

Fazit
Es war ein toller Urlaub, Fische hatten wir für uns genug, obwohl es leider nicht die ganz großen waren, aber ich konnte ja schließlich meinen persönlichen Dorschrekord aufstellen. Wir konnten uns wunderbar erholen, der beste unserer 3 Norwegenurlaube auf jeden Fall.
Huglo ist was für Angler und Ruhesuchende, man kann ein wenig wandern, sonst gibt es aber außer dem kleinen Landhandel mit den 2 Zapfsälen nicht viel zu sehen auf der Insel, die Fähren fahren auch nicht allzu oft. Wer also die weitere Gegend erkunden möchte, sollte sich überlegen, ob er mit Huglo die richtige Wahl trifft, denn immer zusehen zu müssen, dass man auch wieder zum Ferienhaus zurückkommt, ist nicht besonders erholsam. Da wir aber vor 3 Jahren schon einmal in der Nähe waren, war uns das egal, wir waren gut versorgt und konnten endlich mal angeln, wenn wir Lust und Laune hatten.