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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Reisevorbereitungen
Anreise
Clubanlage
Hochseeangeltour mit der "Pez Velero"
Weiterer Urlaubsverlauf
Rückreise und Schlußwort

Der malerische Weg nach Corralejo. Der "malerische" Weg nach Corralejo.

Vorwort

In diesem Jahr haben wir uns einmal als Reiseziel nicht die fischreichen Gewässer um Norwegen, Dänemark oder die deutsche Küste ausgesucht, sondern es sollte in den Süden Europas nach Fuerteventura gehen. Glücklicherweise kannten wir ja jemanden, der Einen kannte, der ein Reisebüro besaß. Also nichts wie hin und mit einem Stapel Kataloge wieder raus. 2 Wochen blättern, Veranstalter und Clubanlage ( Wir hatten vorher noch keinen Cluburlaub erlebt. ) rausgesucht, wieder zum Reisebüro und die Reise gebucht. Wir entschieden uns für den Norden Fuerteventuras, Corralejo sollte es sein, da ist man wenigstens nicht ganz in der Wüste, versprach jedenfalls der Katalog.
Ich überlege heute noch, was es uns genützt hat, daß wir jemanden kannten, der ...

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Reisevorbereitungen

Viel vorzubereiten gibt es ja für solch einen Sommerurlaub eigentlich nicht, am längsten dauert natürlich wieder die Auswahl des geeigneten Angelgerätes. Welche Ruten nehme ich mit ? Der Reiseführer verriet, daß man in Corralejo eine Hochseeangelfahrt mit der "Pez Velero" unternehmen kann, Leihgeräte seien an Bord, die Ausfahrt kostet 60,- DM für die aktiven Fischer und 40,- für Zuschauer. Also bleibt die Hochseerute zu hause, es kommen eine Match – und eine Spinnrute in die engere Wahl. Vielleicht kann man dort gemütlich auf Meeräschen oder diverse Brassensorten vom Ufer aus angeln. Oasis Dunas von innen. Das nächste Problem, der Transport. Dank naheliegender Baumärkte natürlich kein Problem, ein Gas – Wasser – Sch... – Rohr in der "anglertypischen" Farbe betongrau in ca. 10 cm Durchmesser bietet ausreichend Schutz für das teure Carbon. Verschönert habe ich das Rohr mit Aufklebern diverser Angelgerätehersteller, die mir mein Stamm – Angelladen freundlicherweise zur Verfügung stellte. Hätte ich pro Aufkleber nur 10,- DM von den Firmen bekommen, für die ich geworben hatte, die Hälfte meiner Reise wäre bezahlt gewesen. Der Kleinkram, wie Posen, Bleie, Haken, etc. wurde in einer Plastikbox verstaut, 2 Stationärrollen komplettierten die Notausrüstung.
Die Reiseunterlagen kamen pünktlich, für mich als "Flugprofi" aber der erste Hammer, der Flug ging via München zu unserem Urlaubsort. Davon hat uns der "Berater" im Reisebüro aber gar nichts gesagt, na ja Augen zu und durch.

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Anreise

Die Flugreise verlief relativ unspektakulär, der Flugkapitän, der die mit 19 Personen besetzte Boeing 737 von Berlin – Tegel nach München steuerte sah zwar aus, als sei er gerade aus einer Kneipe gekommen, machte seine Sache aber sehr gut. Der Umstieg in die Boeing 757 klappte reibungslos, mit dem Unterschied, daß die Maschine rappelvoll war.
Das Chaos begann nach der Landung in Puerto Del Rosario. Eine Reiseleiterin erklärte uns, daß die von uns gebuchte Clubanlage noch nicht fertiggestellt sei, wir aber in einem wesentlich besseren Club namens "Oasis Dunas" untergebracht werden. Einschlägige Erfahrungen anderer dazu gibt es hier:
http://home.t-online.de/home/Torsten_Beyer/index.html
http://home.t-online.de/home/tine2dirk/oasisd.htm.
Unsere Laune verbesserte sich auch nicht gerade, als wir nach der schweißtreibenden Fahrt Richtung Corralejo auf dem von Stacheldraht umgebenden Gelände ankamen und auch noch ca. 1 Stunde auf unser Appartement warten mußten, da dieses noch nicht gesäubert worden war. Das Appartement war soweit ganz o.k., nur das Licht funktionierte nicht, es war ja auch noch hell draußen. Mit Stromausfällen sollten wir noch das eine oder andere mal in Berührung kommen, lustig wurde es immer, wenn wir nicht an unser Geld kamen, da der Zimmersafe natürlich auch nicht mehr zu öffnen war.

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Clubanlage

Auf die "Qualität" der Anlage möchte ich nicht weiter eingehen. Die tägliche Animation. Nur die wichtigsten Sachen seien hier erwähnt. Die Bedienung von der Rezeption bis zu den Kellnern war unhöflich, die Essenszeiten mußten peinlich genau eingehalten werden, das Essen war teilweise verschimmelt. In den 14 Tagen war 2 mal eine Inspektion aus Deutschland zu Besuch, da wurde dann richtig aufgetafelt. Ich hatte eine Woche lang mit Magenkrämpfen und ähnlichen unangenehmen Sachen zu tun. Jeden zweiten Tag wurden wir von üblen Gerüchen geweckt, die von der Bewässerung der Grünanlagen mit Abwässern herrührten.
Aber wir wurden animiert, jeden Tag von früh bis spät in die Nacht hinein, schlafen kann man schließlich auch zu hause. Zwei Telefonate von insgesamt ca. 2 Minuten Läge kosteten sage und schreibe 17,- DM.
Urteil: Absolut nicht empfehlenswert.

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Hochseeangeltour mit der "Pez Velero"

Wir hatten die Fahrt telefonisch gebucht, die Inhaber des Schiffes sind deutsche Bürger, das klappte ohne Probleme. Um sicher zu gehen, daß das Schiff auch im Hafen liegt, machten wir einen Tag vorher einen Besichtigungsspaziergang. Von weitem war schon der Katamaran zu erkennen, sah ja nicht schlecht aus. Aber der Name stimmt ja nicht mit dem im Reiseführer überein, das war wohl der verkehrte, also weiter suchen. Und da lag er, versteckt zwischen anderen Booten: etwa 10 m lang, alt und schmuddelig. Meine Freundin sagte bloß: "Auf das Ding steige ich nicht auf!". Den halben Abend mußte ich alle Register meiner Überredungskunst ziehen, damit der nächste Tag gerettet war.
Lang ersehnt und nun war er da der Tag meiner ersten Hochseeangeltour auf die Weiten des Atlantik. 8:00 Uhr wollten wir auslaufen, meine Magenkrämpfe waren immer noch nicht besser, ein Lunchpaket gab es vom Hotel, am Automaten erst mal eine schöne kalte Fanta gezogen und Abmarsch Richtung Hafen. So fängt man Köderfische.Höchstpersönlich begrüßte der Eigentümer die Gäste, bestehend aus einer vierköpfigen Schweizer Familie, zwei freundlichen Briten, einem weiteren Deutschen, der schon alles ganz genau wußte, meiner Freundin und mir. Er riet mir, die Fanta sofort wegzuschütten und nur noch kohlensäurefreies Mineralwasser, an Bord kostenlos erhältlich, zu trinken, denn es kann ganz schön schaukelig werden. Diesem Rat folgten wir selbstverständlich. Die Crew bestand aus zwei Einheimischen, die natürlich nur spanisch sprachen und nicht sonderlich lustvoll erschienen.
Vor dem Angeln auf die Riesen des Atlantiks mußten erst einmal Köderfische gefangen werden. Auf der Fahrt zu den Fangplätzen wurden 2 Schleppruten ausgelegt, der erste Drill wurde ausgelost, es gab aber keinen Anbiß. Angefüttert wurden die Köderfische mit "Rubby – Dubby", ich weiß bis heute nicht, was das überhaupt für Fische waren. Die Prozedur zog sich so gute zwei Stunden hin, ich hatte das Gefühl, ich bin zum Fischen und nicht zum Angeln, fast jedes vorbeikommende Boot belieferten wir mit Fisch. So langsam machte sich Unmut breit. Gegen die Mittagszeit, der Wind frischte auf und die Flut kam, ankerten wir endlich vor der nahegelegenen Insel und fütterten an. Es dauerte auch nicht lange, da kreisten unter unserem Boot die dicken Dinger. Die kurzen, maximal 1,80 m langen Knüppel und Rollen, die ins Museum gehören, wurden mit nur einem Haken und einem kleinen Fisch beködert. Das Auswerfen mit ca. 1 mm Nylonschnur gestaltete sich dementsprechend schwierig. Nach etwa 10 m klatschte der Fisch ins Wasser und taumelte so in der Gegend rum. Fische mögen zwar oft zu überlisten sein, dämlich sind sie jedoch nicht. Es gab zwar ein paar Anbisse, meistens wurde aber die Schnur durchgebissen, oder die Schnur auf der Rolle reichte nicht aus.
Der Fisch des Tages, ein Barracuda. Ich dachte so gedankenversunken an meine im Appartement stehenden Angelruten, meine Wobbler und schaute so auf das schwankende Boot, aus dem ich, wenn wir im Wellental angekommen waren, nicht mal Mehr Land sehen konnte, da riß mich ein Schrei aus meinen Träumen. Thun, Thun, ... einer der beiden Skipper sprang ganz aufgeregt im Boot hin und her, fütterte wieder an wie ein Wilder, schnitt die Montage der einen Schlepprute auseinander, knotete einen Haken an, beköderte diesen, wickelte 20 m Schnur von der Multi und warf den Fisch ununterbrochen ins Wasser und holte ihn wieder ein. Wir bekamen natürlich keinen Thunfisch zu Gesicht, sondern sahen nur die großen Fische um das Boot herum, die gar nicht daran dachten an unsere Angeln zu gehen. Irgendwann gab er dieses Vorhaben auch wieder auf und wechselte den Haken gegen einen Drilling aus, auf den er eine Bleiolive steckte und pilkte, Sie lesen richtig, er pilkte. Und diese Methode brachte dann wenigstens den einzigen Fisch ins Boot, einen Barracuda von etwa 10 Pfund.
Fische soll es hier auch geben. Am frühen Nachmittag lichteten wir die Anker und fuhren noch so 1 ½ Stunden mit den Schleppruten ziellos übers Wasser, die Skipper hatten wahrscheinlich auch keine Lust mehr, und machten uns dann erfolglos wieder Richtung Heimathafen, angesichts der hohen Wellen und des kleinen Bootes ein recht waghalsiges Unternehmen. Das makabre an der Rückfahrt war eigentlich, daß wir uns ein Fotoalbum mit den Fängen der Vergangenheit anschauen durften, Haie, Thune und was weiß was da ich noch alles gefangen wurde. Völlig deprimiert am Hafen angekommen, schenkte mir der Eigentümer zum Trost einen Haifischzahn. Ich muß zugeben, selten hat mich ein derartiger Angelmißerfolg noch so lange beschäftigt, wie dieser, man sah die großen Fische und konnte sie nicht fangen.
Übrigens die Sandwiches in unseren Lunchpaketen waren verschimmelt, konnten also auch zum Anfüttern genutzt werden.
Urteil:Die Chance war da, konnte aber nicht genutzt werden.
Fazit: Auf jeden Fall eigenes Gerät und etwas zu Essen mitnehmen, an Bord gibt es nichts.

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Weiterer Urlaubsverlauf

Vom Ufer aus habe ich auch geangelt, Lippfische, die sich nicht nur auf die stinkenden Gambas, sondern auch auf meine Posen stürzten, waren leider die einzige Ausbeute. Meeräschen haben wir in den Häfen gesehen, diese wollten aber nicht anbeißen.
Mit dem Auto haben wir die Insel eine Woche lang erkundet, besonders in Erinnerung blieb die atemberaubende Fahrt nach Betancuria, das Baden im Atlantik macht auch richtig Laune, so daß es trotz der vielen Pannen ein sehr schöner Urlaub war.

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Rückreise und Schlußwort

Die Rückreise im Flugzeug war sehr unruhig und unangenehm, wir mußten morgens die Zimmer verlassen und warteten stundenlang neben unseren Koffern auf den Bus zum Flughafen.
Sandsturm vor Corralejo. Fuerteventura ist auf seine Art schön, man kann viel sehen, Sandstürme erleben, Baden gehen und sich bräunen lassen, im Sommer ist diese Insel doch sehr trocken und irgendwie trostlos.
Dieser Beitrag behandelt natürlich nur unsere Erlebnisse von 1995, Schlußfolgerungen und Verallgemeinerungen sollten hier auf keinen Fall abgeleitet werden. Vielleicht haben Sie ja ähnliches erlebt und irgendwo veröffentlicht, dann würde ich mich über eine Mail an
Karsten Räth freuen. Sollte ich irgend jemandem zu nahe getreten sein, entschuldige ich mich an dieser Stelle.
Ich kann dieses mal nur sagen:
"Auf Wiedersehen !" aber nicht auf Fuerteventura.

Karsten Räth

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© 1999 by Karsten Räth ( www.angelheini.de )
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