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Mariagerfjord, Dänemark


Autor: Karsten Räth
Datum: 31. August 2000

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Dänemark war mir eigentlich nur bekannt geworden, als wir ein Jahr zuvor Jütland ( Jylland ) Richtung Hirtshals durchfuhren und die Fähre gen Norwegen bestiegen. Damals dachte ich so, na ja Urlaub hier muß ja nicht unbedingt sein. Aber die Zeiten änderten sich schnell, wir wollten einfach mal Familienurlaub machen, so richtig im Hochsommer im Juli.

Einige Angelfreunde aus unserer Angelgruppe besuchen regelmäßig das Feriengebiet um Helberskov ( sprich: Helberskau ) in Ostjütland ( Østjylland ), Mariagerfjord von Hadsund bis Havnø. gelegen zwischen Århus und Aalborg am wunderschönen Mariagerfjord. Also wählten wir dieses Urlaubsziel in der Hoffnung, viele Plattfische zu fangen. Unsere Angelfreunde versorgten uns mit allen Informationen, die wir brauchten, ich versorgte uns mit einer Seekarte und wir zeichneten schon mal alle Beststellen ein. Da konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen, nur mit deren Angelmethode wollte ich mich nicht so richtig anfreunden. Die war nämlich das Watangeln, stundenlang bis zur Hüfte im Wasser stehen, mit der Grundrute, einem Eimerchen für die Wattwürmer und einem Kescher für die gefangenen Fische bewaffnet und die Platten mit der sogenannten Spürangelmethode überlistet. Wattis graben in Als Odde. Soll heißen, Grundblei an Angel, ein bis zwei Haken am Seitenarm, Wattwurm ran, auswerfen und gaaanz langsam einholen. Ich bin da so eher der bequeme Angler, habe außerdem keine Wathose und packte daher lieber meine Brandungsruten ein, die ich später nicht ein einziges Mal benutzte.

Die Wahl des geeigneten Ferienhauses war gar nicht so einfach. Das Problem waren nicht meine Eltern oder meine Freundin, für unser fünftes Mitglied im Bunde sollte es das erste Mal in die große weite Welt gehen, schon 4 Jahre alt und fast erwachsen, unsere Katze Paula sollte mitfahren, schließlich sollte es ja ein Familienurlaub werden. Wir erwischten aber noch ein sehr schönes großes Haus mit allem, was das Urlauberherz so begehrt, ein großer Anbieter für Nordlandreisen machte es möglich.

Zur Anfahrt gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, sie verlief relativ unspektakulär und reibungslos. Nur unser Miezchen hatte ein Problem, Autofahren ist so gar nicht ihr Ding. Bei einer bereits vorher einmal zurückgelegten Testfahrt von insgesamt 600 km hatte sie uns schon mal den Nerv geraubt. Können Sie sich einen Säugling vorstellen, der ununterbrochen schreit ? So hörte sich das an. Unser Tierarzt empfahl uns also, der Katze ein Beruhigungsmittel zu geben, das man ihr 30 Minuten vor Abfahrt verabreichen sollte. Gesagt getan, Paula hatte einen leicht durchsichtigen Blick, rein in die Transportkiste und die Fahrt konnte losgehen. Paula, unsere Revierkatze. Genau 3 Stunden hielt das Mittel an, unsere Katze wurde ja schließlich auf der Straße geboren und kann so einiges ab. Den Rest, der folgte, können Sie sich bestimmt vorstellen, 4 Stunden Krach im Auto. Tierquälerei, sagen Sie ? Quatsch, jeden Tag von morgens bis abends allein in der Wildnis, sie kam nie später als nach 20:00 Uhr zum Ferienhaus zurück und lag immer als Erste im Bett. Sie ist inzwischen 7 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Nur zwei Dinge mag sie nicht, andere Tiere, die größer als ein Karnickel sind und unseren Freund Dirk.

Die Schlüssel und die genaue Beschreibung zum Ferienhaus, wie auch die staatliche Angellizenz, gab es im Fremdenverkehrsamt von Øster Hurup, dazu sehr nette und kompetente Beratung für den ersten Urlaubstag. Die Sachen waren schnell ausgepackt, ein Zimmer wurde sofort als Angelzimmer umfunktioniert, alle waren in Urlaubslaune, nur Paula saß in irgendeiner Ecke und fürchtete sich. Es sollte drei Tage dauern, bis sie den ersten Schritt vor die Tür setzte. Noch gar nicht ganz da und wir saßen schon wieder im Auto, um die ersten Angelstellen zu begutachten.

Wattwürmer gab es bei Bruno in Øster Hurup, er betrieb einen Souvenierladen und verkaufte dort u.a. auch Bernsteinschmuck. Er lieh uns auch für den gesamten Urlaub eine Grabegabel, da uns die Wattis irgendwann zu teuer wurden, obwohl er uns damit als Kunden verlor. Vielen Dank noch einmal Bruno. Grabegabeln hatten dort einen utopischen Preis, weil jeder dort Watt - und Seeringelwürmer verkaufte. Die beste Wattwurmstelle war in der Nähe des Hafens von Als Odde, leider ist Ebbe und Flut dort sehr unregelmäig, so daß man schon mal wieder umdrehen mußte. Wir sammelten in einer Stunde zu dritt so ca. 100 Würmer, die dann wieder für ein bis zwei Tage reichten.

Eine Fahrt entlang des Mariagerfjordes von Hadsund bis nach Als Odde zeigte uns aber schon sehr schnell das eigentliche Problem auf. Sehr flach und am Ufer bewachsen, hatte man nur in der Fahrrinne eine Chance Fische zu fangen. Und die war vom Ufer aus nur an wenigen Stellen zu erreichen. In Als Odde sowie entlang des gesamten Fjordes zu Fuß mit Wathose ( schade eigentlich ), in Havnø ( sprich: Haunö ) von einem befestigten Ufervorsprung, der fast immer voll besetzt war oder im Fischerhafen von Hadsund. Dort, auf der Spitze eines langestreckten Kais war dann auch unsere Lieblingsstelle. Einziges Manko waren die Schiffe, die darauf warteten, daß sich die Klappbrücke in Hadsund zur Durchfahrt öffnete, diese störten dann hin - und wieder die Angelei. Im Doppelpack auf die Spezialkette. Im Hintergrund die Brücke von Hadsund. Parkmöglichkeiten sind in ausreichender Anzahl vorhanden, eine Toilette und Papierkörbe sind auch da. Zugegeben, es ist natürlich nicht die romantischste Art zu angeln, aber Fische fangen wollten wir ja auch noch. Man kann ebenfalls auf der anderen Seite der Brücke im eigentlichen Hafen sein Glück versuchen, dort waren wir aber nicht so erfolgreich.

Was haben wir denn nun gefangen ? Um es vorweg zu nehmen, es waren ausschließlich Flundern und Aale. Wichtiger jedoch ist die Gerätezusammenstellung und der Wasserstand, diese hatten entscheidenen Anteil an unseren Fangergebnissen. Am meisten fingen wir bei auflaufenden Wasser, bei Stillstand am schlechtesten und bei ablaufendem Wasser gings gerade noch. Montage für den Mariagerfjord Die Strömung war relativ stark, man kann sich davon am Ausfluß des Mariagerfjordes in Als Odde überzeugen, da war das Wasser bei Ebbe nämlich ganz schön weit weg. Zeiten, wann es in welche Richtung strömt waren nicht vorherzusagen, der Wasserstand hing auch sehr stark von der Windrichtung, bei auflandigem Wind gab es so gut wie keine Ebbe, ab. Ein Lotteriespiel, also. Geangelt haben wir mit unseren Pilkruten, Sie hören richtig Pilkruten , denn Bleigewichte von 100 - 130 Gramm waren erforderlich, den Köder am Grund zu halten. Wobei wir keine Krallenbleie verwendeten, da so ein größerer Wasserabschnitt abgesucht werden konnte. Über solche Flundern kann man sich auch freuen. Die Schnurstärke war eigentlich nicht so entscheidend, dünner als 0,35 mm sollte sie aber nicht sein, da die Strömung sehr viel Kraut mit sich führte und der Untergrund mitunter auch etwas uneben war. Unsere Montagen bestanden aus üblichen Brandungsvorfächern natürlich ohne das Weitwurfgefummel, denn die Fahrrinne war mit kurzen Würfen gut zu erreichen. Die Längen der Seitenarme sind sicherlich Ansichtssache, sollten aber bei der starken Strömung nicht länger als 50 cm sein. Die Anordnung der Perlen auf dem linken Seitenarm hat mir Lutz einmal verraten und waren bei den Flundern der absolute Renner. Tests ergaben, daß man bei einem Wechsel der Seitenarme ( z.B. von oben nach unten ) die meisten Platten auf die kleinen Perlen fing. Achten Sie aber darauf, daß die grüne Perle 4 mm groß ist, die anderen aber nur 3 mm. Denn da begann auch das Problem, woher die Perlen nehmen ? Rot und gelb gab und gibt es bei Bass Pro Shops in Springfield / Missouri, die grünen - keine Ahnung, da mußte ich mir mit einer Ausweichfarbe weiterhelfen. Die Aale fingen wir nicht in der Fahrrinne, die kamen gegen abend in Ufernähe und bissen am besten auf den Seitenarm mit der gelb / roten Auftriebsperle. Als Köder für die Aale verwendeten wir die allseits bekannten "Kampfwürmer" Dendrobena, also genügend davon einpacken. Die Größe der Flundern bewegte sich zwischen Handtellergröße und etwa 40 cm, keine Riesen, aber sehr gut genährt und schmackhaft. Ein kleiner Tip noch, ersparen Sie sich die Arbeit mit den Ködernadeln für die Wattwürmer, mit ein bißchen Übung schafft man das auch ohne, denn wenn die Fische so richtig beißen, muß es ziemlich schnell gehen.

Wo kann man noch angeln in dieser Gegend ? Natürlich in Forellenteichen, der Name ist mir inzwischen entfallen, wir waren ein paar mal an einem sehr schönen naturbelassenen See, in dem Forellen bis 10 kg drin sein sollten. Wir fingen nur welche von 3 - 6 Pfund, die machten aber an meiner Matchrute an 20er Schnur schon ganz schön Betrieb. Topköder war Berkleys "Power Bait" in den Farben gelb mit Glitter und pink, angeboten an einer einfachen Grundblei - ( 10 - 20 gr. ) Montage. Eines aber trübte unsere Freude über die gefangenen Fische, das war der trübe Geschmack, so richtig modderig. Vorbereitung auf die großen Forellen. Wir haben die Forellen gebraten, gegrillt, geräuchert, aber der penetrante Geschmack war leider nicht wegzukriegen, nur Paula, die hatte keine Skrupel, das Zeug zu verdrücken.

Ein besonderes Highlight war die Kutterausfahrt von Hirtshals aus auf den Skagerrak, wir haben eine Menge Dorsche gefangen, mein Vater an seiner Paternostermontage sogar einmal 5 Stück. Zu dieser Zeit waren die Dorsche ganz wild auf Heringsvorfächer, Makrelen und kleine Köhler vervollständigten die Palette an gefangenen Fischen. Der Preis für die 4 - stündige Ausfahrt betrug DM 50,- nicht gerade billig, aber es hat Spaß gemacht. Danach hatten wir dann noch die Gelegenheit mit Lutz und seiner Familie, die bei Valle, dem Bootsmann, und seiner Frau zu Besuch waren, einen gemütlichen Abend zu verbringen, über Fische und vor allen Dingen Bernsteine zu plauschen, die an der Nord - Westküste Jütlands gar nicht so selten zu finden sind.

Ausflugstips:
Sollten Sie einmal hier oder in der Nähe Urlaub machen, besuchen Sie bitte unbedingt das Meereszentrum in Greena, dort kann man übrigens auch eine Hochseeangelfahrt buchen. Århus, Aalborg, Mariager und Randers bieten nicht nur eine interessante Architektur, sondern auch vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Skaagen, wo Kattegat und Skagerrak zusammentreffen, sollten Sie auch nicht verpassen.

Fazit:
So kann man in Jütland doch eine ganze Menge erleben, die einfache Durchfahrt ein Jahr zuvor täuschte mich doch ganz gewaltig und ich bin froh, eines besseren belehrt worden zu sein. Die 14 Tage waren im nu rum, die Kühlbehälter voll und gut erholt gings wieder nach Hause.


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